|
Financal Times Deutschland
Zur Sonne 16.12.2005
Die gute Nachricht zuerst:
Ab dem 22. Dezember werden die Tage wieder länger. Jetzt die schlechte: nur sehr langsam. Bis Silvester gewinnt das tägliche Licht gerade fünf Minuten, bis Ende Januar nicht mehr als 40. Das macht vielen zu schaffen. Wir gehen zur Arbeit, und es ist dunkel. Wir kommen nach Hause, und es ist schon wieder dunkel. Fast jedem zehnten Deutschen brockt das einen Winterblues ein: Wir kommen morgens nicht hoch, sind tagsüber niedergeschlagen und verkriechen uns abends zu Hause.
Der Schokoladenkonsum steigt. Sörin Gruël litt schwer: Die 35-Jährige kam im Winter kaum aus den Federn. "Ich lag morgens wie gelähmt im Bett", erinnert sich Gruël. "Heute werde ich schon vor dem Wecker wach - und die Kollegen beschweren sich, dass ich immer so gute Laune habe." Gruël vertreibt den Schlaf mit einem Lichtwecker.
Der lässt jeden Morgen in ihrem Schlafzimmer die Sonne aufgehen. Schon bei geschlossenen Augen dringt genug Licht ein, um in Gruëls Gehirn die Melatoninproduktion senken. Das Hormon wird vor allem in der Dunkelheit produziert und signalisiert dem Körper: Jetzt ist Schlafenszeit. Die Lichtzufuhr lässt hingegen die Serotoninproduktion anspringen. Der Gehirnbotenstoff macht wach und agil. Ideale Vorraussetzung, um aufgeweckt und gut gelaunt in den Tag zu starten, auch wenn der eigentlich noch dunkel ist.
"Früher hatte es ja einen Sinn, dass Menschen im Winter lange schliefen und Heißhunger auf Kohlehydrate hatten, schließlich war es dunkel und kalt", erklärt Anna Wirz-Justice, Leiterin der Abteilung Chronobiologie an der Universitären Psychatrischen Klinik Basel. Die Forscherin beschäftigt sich mit Störungen, die durch eine aus dem Takt geratene innere Uhr hervorgerufen werden. Und der Taktgeber ist in vielen Fällen das Licht: "Der Körper schaltet während der dunklen Monate auf Sparflamme. Aber dank des elektrischen Lichtes und der Zentralheizung gibt es keine Winterruhe mehr - die Menschen müssen über das ganze Jahr die gleiche Leistung bringen."
|
|
Lesen Sie hier weiter...
|
|
Hamburger Abendblatt
Lichtkanonen gegen Winterdepression
Von Cornelia Werner, 5. November 2006
Rund 800000 Menschen in Deutschland leiden in dieser Jahreszeit unter Kraftlosigkeit und gedrückter Stimmung, weil Ihnen das Licht fehlt. Doch den meisten Patienten kann geholfen werden. Fühlen Sie sich traurig und müde? Es kostet Sie große Überwindung, morgens aufzustehen? Ihre Stimmung ist auf dem Nullpunkt, und die dunklen Tage gehen Ihnen auf die Nerven? Dafür kann es eine ganz einfache Erklärung geben. Denn der Lichtmangel im Winter verändert den Stoffwechsel von Nervenbotenstoffen und Hormonen in unserem Körper, und das kann auf die Stimmung schlagen. Bei Menschen, die sehr empfindlich darauf reagieren, kann es sogar zu einer Depression führen. "Etwa 800000 Menschen in Deutschland leiden an einer Winterdepression. Drei Viertel davon sind Frauen", sagt Prof. Michael Chirazi-Stark, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im Asklepios Westklinikum in Hamburg-Rissen. Die Ursache, so vermuten Wissenschaftler, ist ein Mangel des Nervenbotenstoffes Serotonin und ein Überschuss des Hormons Melatonin. Die Ausschüttung dieses Schlafhormons wird durch helles Tageslicht gebremst. Typische Zeichen der Depression sind Energie- und Kraftlosigkeit, abnehmende Lebensfreude, gedrückte Stimmung, Konzentrationsstörungen und die Neigung zum Grübeln. "Und im Unterschied zu anderen Formen der Depression, bei denen die Betroffenen unter Appetitmangel und Schlafstörungen leiden, entwickeln Menschen mit einer Winterdepression vermehrten Hunger auf Süßigkeiten und ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis", berichtet der Psychiater. Wenn sich dann herausstellt, dass solche Anzeichen auch schon in den vergangenen Wintern immer wieder aufgetreten sind, gehen die Psychiater von einer saisonal abhängigen Depression aus...
|
|
Lesen Sie hier weiter...
|
|
|
|