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Die gute Nachricht zuerst:

Ab dem 22. Dezember werden die Tage wieder länger. Jetzt die schlechte: nur sehr langsam. Bis Silvester gewinnt das tägliche Licht gerade fünf Minuten, bis Ende Januar nicht mehr als 40. Das macht vielen zu schaffen. Wir gehen zur Arbeit, und es ist dunkel. Wir kommen nach Hause, und es ist schon wieder dunkel. Fast jedem zehnten Deutschen brockt das einen Winterblues ein: Wir kommen morgens nicht hoch, sind tagsüber niedergeschlagen und verkriechen uns abends zu Hause.

Der Schokoladenkonsum steigt. Sörin Gruël litt schwer: Die 35-Jährige kam im Winter kaum aus den Federn. "Ich lag morgens wie gelähmt im Bett", erinnert sich Gruël. "Heute werde ich schon vor dem Wecker wach - und die Kollegen beschweren sich, dass ich immer so gute Laune habe." Gruël vertreibt den Schlaf mit einem Lichtwecker.

 Der lässt jeden Morgen in ihrem Schlafzimmer die Sonne aufgehen. Schon bei geschlossenen Augen dringt genug Licht ein, um in Gruëls Gehirn die Melatoninproduktion senken. Das Hormon wird vor allem in der Dunkelheit produziert und signalisiert dem Körper: Jetzt ist Schlafenszeit. Die Lichtzufuhr lässt hingegen die Serotoninproduktion anspringen. Der Gehirnbotenstoff macht wach und agil. Ideale Vorraussetzung, um aufgeweckt und gut gelaunt in den Tag zu starten, auch wenn der eigentlich noch dunkel ist.

"Früher hatte es ja einen Sinn, dass Menschen im Winter lange schliefen und Heißhunger auf Kohlehydrate hatten, schließlich war es dunkel und kalt", erklärt Anna Wirz-Justice, Leiterin der Abteilung Chronobiologie an der Universitären Psychatrischen Klinik Basel. Die Forscherin beschäftigt sich mit Störungen, die durch eine aus dem Takt geratene innere Uhr hervorgerufen werden. Und der Taktgeber ist in vielen Fällen das Licht: "Der Körper schaltet während der dunklen Monate auf Sparflamme. Aber dank des elektrischen Lichtes und der Zentralheizung gibt es keine Winterruhe mehr - die Menschen müssen über das ganze Jahr die gleiche Leistung bringen."

 

Wer sich in den dunklen Monaten wie ein Bär fühlt, der in seinem Winterschlaf gestört wurde, sollte sich so oft wie möglich dem Licht aussetzen. Winterbluesexperten raten zu mittäglichen Spaziergängen, hellen Wandanstrichen und vollem Lampeneinsatz statt Kerzenschein. Doch normales Kunstlicht ist bei weitem nicht so hell wie ein Sonnentag: Während der mit 100 000 Lux strahlt, funzelt eine normale Bürobeleuchtung nur mit etwa 500 - zu wenig für das Gehirn. Spezielle Lichttherapiegeräte leuchten deswegen mit 2500 bis 10 000 Lux und helfen sogar Menschen mit saisonabhängigen Depressionen, einem gesteigerten Winterblues. Die hellen Lampen, die vor allem in Arztpraxen aufgestellt werden, gibt es auch als unauffällige Schreibtischbeleuchtung und als Visor, den man wie den Schirm einer Baseballkappe auf dem Kopf trägt. "Sieht zwar komisch aus, dafür hat man morgens die Hände frei und kann ganz normal frühstücken, während man seine Lichtdusche nimmt", erklärt Robert Butt, dessen Firma Hilite die futuristische Kopfbedeckung vertreibt.

 Ein Mangel an Licht schlägt nicht nur auf die Stimmung, sondern kann auch Schlafstörungen hervorrufen. Wissenschaftler vermuten, das liege daran, dass der Körper keine ausreichenden Informationen bekomme, wann er wach und wann er schläfrig zu sein habe. Auch Schichtarbeiter können also von einem Dämmerungssimulator profitieren, indem sie ihren Sonnenaufgang auf den Nachmittag verlegen.

 Butt erhält Fanpost von geheilten Morgenmuffeln und ihren erleichterten Partnern. Froh sind auch Eltern, die ihre Kinder nicht mehr mit Gewalt aus dem Bett treiben müssen. Für die bietet die "Bodyclock Junior" noch ein besonderes Feature: Nicht nur das Aufwachen wird unterstützt, sondern auch das Einschlafen. Mit dem Sonnenuntergangssimulator lassen sich Kinder leichter zu Bett bringen. Wenn die Lampe zu dunkel zum Vorlesen ist, wird das Buch zugeklappt. Ende der Diskussion.

 

 

 

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